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Archiviert: Offener Brief: Seniorenvertretung fordert einen "Sparkassenbus"

Die Seniorenvertretung der Stadt Emmerich am Rhein hat sich jetzt in einem offenen Brief zu den Folgen der Filialschließungen speziell für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger im Stadtgebiet an den Vorstand der Sparkasse Rhein-Maas, den Landrat des Kreises Kleve und die Kreistagsfraktionen gewandt. Hier der Wortlaut des Briefes:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem einschneidenden Termin der endgültigen Schließung der Sparkassenzweig-stellen in Emmerich haben wir, die Seniorenvertretung der Stadt Emmerich, zunächst abgewartet, wie sich die Neuordnung in gelebter Realität darstellt.

Wie aus unserem Arbeitskreis „Soziales" und von weiteren Mitgliedern in der letzten Sitzung am 07.03.18 berichtet wurde, gestaltet sich die Abwicklung von alltäglichen Bankgeschäften, wie Geldein- und Geldauszahlungen, Überweisungen, Kontoauszügen für Senioren erschwerend. Zu Stoßzeiten (Monatsanfang und Monatsende) ist der Andrang in der Hauptstelle enorm groß. Vor der gesetzten Öffnungszeit bildet sich bereits eine Schlange vor der Tür. Darunter sind viele Senioren mit und ohne Rollator, denen längeres Stehen schwerfällt. Für motorisierte Kunden ist es schwierig, einen Parkplatz in der Nähe zu finden. (Die 4 Parkplätze vor der Hauptstelle reichen nicht aus.) Bei Gehbehinderten müssen zu weit entfernte Parkmöglichkeiten in Anspruch genommen werden.

Nach Öffnung der Hauptstelle ergießt sich der Pulk der Menschen in die Vorhalle, um dort auf eine begrenzte Anzahl zur Verfügung stehender Automaten zustoßen. Es ent-stehen erneut Wartezeiten, besonders, was die Automaten „Kontoauszüge und Über-weisungen" betrifft. Da die meisten monatlichen Bankgeschäfte zu Monatsbeginn abgewickelt werden ist für viele Menschen eine Verschiebung des Ganges zur Bank nicht möglich. Das Angebot der Sparkasse gegen eine Gebühr von jeweils 5,00 Euro Geldbeträge ins Haus zu bringen, beinhaltet für jemanden mit kleiner Rente eine finanzielle Belastung, besonders, wenn man nicht gern viel Bargeld im Haus haben möchte. Die Möglichkeit, Geld an Kassen von Supermärkten abzuheben, offenbart jedem in der Schlange wie viel Geld der Senior im Portemonnaie hat und erhöht den Anreiz zu kriminellen Taten. Mit der Preisgabe des PIN an andere Personen verliert sich schnell der eigene Überblick und erhöht sich die Gefahr des Missbrauchs.

Unser Vorschlag zur Minderung der Benachteiligung älterer Bürger, die kein online-banking machen, wäre der Einsatz eines voll ausgestatteten Sparkassenbusses, der an bestimmten Tagen regelmäßig die einzelnen Vororte anfährt. Dort könnten alle (!) Kunden in Ruhe und Sicherheit ihre Bankgeschäfte erledigen. Wir weisen darauf hin, dass dies bereits in anderen Städten und Kommunen der Fall ist. (Vom Volksmund werden diese Busse „Zasterlaster" genannt)

Wir von der Seniorenvertretung sind uns darüber im Klaren, dass wir schlechte Karten haben gegenüber betriebswirtschaftlichen und global - finanzgestalterischen Argumenten, die zur Schließung der Zweigstellen geführt haben. Doch geben wir zu bedenken, dass die Gruppe von Menschen, die das Wachstum der Banken ermöglichten, heute zum Kreis der Senioren zählt. Laut Sparkassengesetz sind besonders die Sparkassen dazu angehalten, zum ortsnahen Wohl der Kommunen zu arbeiten. Dies gilt besonders für die Stadt Emmerich, die die Sparkasse immer wohlwollend unterstützt hat. Deshalb sollten auch lokale Sonderregelungen innerhalb des Verbundes Rhein-Maas möglich sein. Darüber hinaus erachten wir es als eine allgemein politisch/soziale Pflicht gerade „be-hinderten" Menschen mühelose Teilhabe am täglichen Leben zu ermöglichen. (Laut Europarichtlinie fallen unter die Gruppe „Behinderte" Senioren und Behinderte.) Wir gehen davon aus, dass es nicht Ziel der Sparkassen, Politik und Verwaltung ist, Senio-ren auszugrenzen. Der allgemeine Fortschritt im Zeitalter der Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, die verantwortlichen Träger dieser Entwicklung sollten aber auf dem Boden des Grundgesetzes ihre ethisch/moralische Verpflichtung gegenüber schwächeren Teilen der Gesellschaft sozial/konstruktiv im Auge behalten.

In der Hoffnung, dass unser Appell über offene Ohren zu innovativen Verbesserungen in Bezug auf Kundenfreundlichkeit bei der Sparkasse Rhein-Maas trifft verbleiben wir.

Mit freundlichem Gruß
für die Mitglieder Seniorenvertretung der Stadt Emmerich am Rhein

Leonie Pawlak (Vorsitzende)